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Beruf & Karriere
Als Azubi zu Hause wohnen – So funktioniert die WG mit den Eltern

Wäschedienst oder Bad putzen: Wer während seiner Ausbildung noch zu Hause wohnt, sollte feste Aufgaben im Haushalt übernehmen. Foto: Silvia Marks/Archiv
Wäschedienst oder Bad putzen: Wer während seiner Ausbildung noch zu Hause wohnt, sollte feste Aufgaben im Haushalt übernehmen. Foto: Silvia Marks/Archiv
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Viele junge Erwachsene bleiben auch während der Ausbildung zu Hause wohnen. Das ist günstig und bequem. 

Familien sollten sich aber überlegen, wie das Zusammenleben aussehen soll.  

Von Bettina Levecke  Gelnhausen.  

Das Bündel packen und den elterlichen Hof verlassen: Früher war klar, dass junge Erwachsene mit Beginn einer beruflichen Ausbildung eigene Wege gehen. Heute wechseln sie oft nur die Busstrecke. Statt zur Schule, geht es nun in den Betrieb. Zu Hause bleibt alles beim Alten. Oder nicht?

„Das Ende der Schulzeit ist ein guter Zeitpunkt, um über die gemeinsame Lebenssituation zu Hause nachzudenken“, sagt Jörg Schnauer, Familientherapeut aus Gelnhausen bei Frankfurt am Main. Welche Regeln gibt es? Und: Machen die überhaupt noch Sinn? Die Kunst sei es, die richtige Mischung zwischen gegenseitiger Freiheit und Verantwortung zu finden.

Es gibt viele Gründe, nach der Schule noch zu Hause wohnen zu bleiben. Der Ausbildungsbetrieb liegt direkt in der Nähe, die Beziehung zu den Eltern ist gut. „Nach meiner Einschätzung spielen ökonomische Gründe eine sehr wesentliche Rolle, denn die jungen Menschen erhalten während der Ausbildung nur wenig oder gar kein Geld“, sagt Christiane Wempe, Psychologin aus Ludwigshafen am Rhein. Auch viele Eltern können es finanziell nicht stemmen, dem Nachwuchs eigene vier Wände zu bezahlen. Selbst wenn das Verhältnis zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern ganz entspannt ist, laufe das Zusammenleben nicht immer ohne Spannungen.

Im Normalfall sollten Azubis mit 16 oder 17 Jahren einige Aufgaben im gemeinsamen Haushalt übernehmen, sagt Susanne Blüthgen, Familiencoach aus Bremen. Ist das bislang noch nicht der Fall, ist spätestens jetzt ein Gespräch wichtig. „Klären Sie Ihre Wünsche und Vorstellungen: Wie soll der Familienalltag organisiert sein?“ Auf einer Liste oder einem Plan könnten die verschiedenen Punkte notiert werden. Wer putzt das Bad? Wer übernimmt die Wäsche? Wer mäht den Rasen? Und wann ist abends die Musik aus?

Manchmal sei es dabei auch nötig, sich von lieb gewonnenen Gewohnheiten zu verabschieden, denn es ist nicht in Stein gemeißelt, dass die Mama immer die Wäsche macht oder der Papa jeden Morgen den Wecker spielt. „Bei manchen Dingen kann es auch wichtig sein, einen Schlussstrich zu ziehen, um damit deutlich zu machen, dass ein neuer Lebensabschnitt beginnt“, sagt Schnauer.

So gehöre es im Berufsalltag eines Erwachsenen dazu, selbstständig dafür zu sorgen, dass man pünktlich zur Arbeit kommt. Eltern, die bis jetzt immer den Weckdienst übernommen haben, könnten diese Verantwortung spätestens jetzt abgeben. Gleiches gilt für die gemachten Frühstücksbrote oder die gebügelte Kleidung: „Das sind im Grunde alles Dinge, die junge Erwachsene selbst erledigen sollten“, sagt Schnauer. Und wenn es dann ohne Frühstück aus dem Haus geht? In Knitterhemd und mit ungeputztem Schuh? „Dann müssen Eltern das aushalten, es liegt nicht mehr in ihrer Verantwortung.“ Der Familientherapeut erklärt: „Nur so machen die jungen Erwachsenen eigene Erfahrungen und lernen, daraus die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen.“ Wer drei Mal verschläft und Ärger in der Firma bekommen, wird sich schon aus eigener Kraft bemühen, dass so etwas nicht mehr vorkommt. „Selbst wenn dadurch die Probezeit scheitert, müssen Eltern das aushalten“, nennt Schnauer eine letzte harte Konsequenz.

Hilfe für die anstrengenden ersten Wochen

Das Loslassen sei für viele Eltern die größte Herausforderung beim Zusammenleben, weiß Blüthgen. „Man meint es ja auch gut und will helfen.“ Für die Übergangszeit sei es durchaus legitim, dem Nachwuchs noch den Rücken frei zu halten, etwa die Wäsche zu waschen oder den Einkauf zu übernehmen. „Für die Jugendlichen ist der Beginn der Ausbildung oft auch sehr anstrengend.“ Da sei es hilfreich, noch Unterstützung zu bekommen, bis man sich an die neuen Herausforderungen gewöhnt hat. Blüthgen empfiehlt Eltern deshalb klare Worte: „Die nächsten sechs Wochen helfe ich dir noch mit dem Frühstück, dann kümmerst du dich aber bitte selbst.“

Im Idealfall ist das familiäre Leben wie in einer Wohngemeinschaft geregelt: Jeder hat Aufgaben, man fühlt sich gemeinsam verantwortlich. Für die Jugendlichen entstünde so auch das wertvolle Gefühl, von den Eltern auf Augenhöhe betrachtet zu werden, sagt Blüthgen. Bequemlichkeiten, die sich vielleicht immer wieder einschleichen, müssten dann – so wie es auch in jeder guten WG dazugehört – erneut angesprochen werden. „Sonst müssen Eltern sich nicht wundern, wenn sie irgendwann ein 25-jähriges Kind zu Hause sitzen haben, das sich noch bedienen lässt.“

So gleichberechtigt die Verantwortlichkeiten auch geregelt sind, wie das Leben in Wohnung oder Haus abläuft, liegt in der Entscheidung der Eltern. Laute Musik oder Partys, Kochtreffen mit Freunden, Kinoabend im Wohnzimmer – solche Sachen müssen abgesprochen werden. „Es ist und bleibt der elterliche Haushalt, und die haben das Sagen“, meint Wempe.

Und wie steht es um das Thema Geld? Immerhin: Mit dem eigenen Ausbildungsgehalt könnten sich die jungen Erwachsenen an den familiären Kosten beteiligen. „Das muss man individuell aushandeln“, sagt Blüthgen. Wenn die Familienkasse knapp ist, können Eltern eine Beteiligung für Miete oder Essen verlangen. „Alternativ können sie auch sagen, dass mit dem Ausbildungsgehalt alle Kosten für Urlaub oder Klamotten abgedeckt werden oder kein Taschengeld mehr bezahlt wird.“


Raus aus dem Kinderzimmer: Die eigenen vier Wände

Endlich eine eigene Bude: Davon träumen viele Azubis. Foto: Christin Klose
Endlich eine eigene Bude: Davon träumen viele Azubis. Foto: Christin Klose

Die erste eigene Wohnung ist ein großer Schritt in die Selbstständigkeit – und der will gut geplant sein.

Von Pauline Sickmann

Bielefeld/Bonn. Endlich, der Ausbildungsvertrag ist unterschrieben! Die meisten Azubis bleiben zwar im neuen Lebensabschnitt zu Hause bei den Eltern, doch immerhin ein Fünftel zieht es laut Bundesagentur für Arbeit für die Ausbildung in eine andere Stadt. Was müssen Auszubildende dann beachten? Und was ist eigentlich, wenn sie noch minderjährig sind?

Bevor Auszubildende einen Mietvertrag unterschreiben, sollten sie sich genau über die Wohnung und Mietkonditionen informieren, rät Isabell Pohlmann. Sie ist Autorin des Ratgebers „Endlich erwachsen! Die besten Tipps für Auszug, Ausbildung und Studium“ der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Wie viel Nebenkosten kommen tatsächlich zusammen?“ oder „Wie sind die Bedingungen, wenn wir eine WG gründen wollen?“ seien wichtige Fragen. „Ganz wichtig ist, sich erst zu informieren und nicht von einer schönen Wohnung blenden zu lassen“, warnt die Expertin.

Fündig können auch Azubis bei der Wohnungssuche auf den gängigen Immobilienportalen für Studierende werden. Wer sich unsicher ist, ob er die Herausforderungen einer eigenen Wohnung meistern kann, ist vielleicht beim betreuten Jugendwohnen richtig. Unter www.auswaerts-zuhause.de informiert das Familienministerium über diese besondere Form des Wohnheims.

Während volljährige Auszubildende schon auf eigenen Füßen stehen können, benötigen Minderjährige bei Rechtsgeschäften wie dem Mietvertrag die Zustimmung eines Erziehungsberechtigten. Darauf weist Susanne Walter vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hin.

Geld ist oft die größte Hürde für Eigenständigkeit

Die größte Hürde auf dem Weg in die Selbstständigkeit ist für Azubis oft das Geld. „Die Ausbildungsvergütung ist schließlich meistens nicht gerade üppig“, sagt Pohlmann. Azubis sind so häufig auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Diese bekommen Auszubildende auf verschiedenen Wegen, erklärt Pohlmann. Sie können zum Beispiel bei der Bundesagentur für Arbeit die sogenannte Bundesausbildungsbeihilfe – kurz BAB – beantragen. Diese Förderung muss am Ende der Ausbildung nicht zurückgezahlt werden. BAB erhalten allerdings nur Auszubildende, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen und eine anerkannte Ausbildung machen.

Für Minderjährige gilt außerdem noch eine Sonderregel, erklärt ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit: „Sie können nur gefördert werden, wenn sie während der Berufsausbildung nicht mehr bei ihren Eltern wohnen können, weil die Ausbildungsstätte zu weit entfernt ist.“

Berechnet wird die Höhe der Förderung unter anderem anhand des Einkommens und der Lebenssituation des Auszubildenden sowie der finanziellen Situation seiner Eltern. Mithilfe des BAB-Rechners unter www.babrechner.arbeitsagentur.de können Azubis herausfinden, was sie erwartet. Expertin Pohlmann rät: „BAB sollte man möglichst früh beantragen, da es nicht rückwirkend gezahlt wird.“

Wer eine schulische Ausbildung macht, kann statt der BAB beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung Bafög beantragen. In seltenen Fällen steht Auszubildenden zudem Wohngeld zu. Das geht beispielsweise, wenn bei Auszubildenden mit Kindern der finanzielle Bedarf durch die BAB noch nicht gedeckt ist.

Während der ersten Ausbildung bekommen Eltern bis zum 25. Geburtstag ihres Kindes außerdem weiter Kindergeld. Umgekehrt haben Azubis deshalb aber auch Anspruch auf Ausbildungsunterhalt der Eltern. Wie viel ihnen genau zusteht, lässt sich mithilfe der sogenannten Düsseldorfer Tabelle ermitteln, wie Pohlmann erklärt. Mit der ersten Wohnung kommt schließlich auch die Frage nach Versicherungen auf. „Eine Hausratversicherung lohnt sich für ein WG-Zimmer meist nicht“, rät Pohlmann. „Soll aber zusätzlich ein gutes Fahrrad versichert werden, schon eher.“

Einen letzten Tipp hat Isabell Pohlmann noch für Auszubildende: „Auch wenn es Mühe macht – in den ersten Monaten ist es hilfreich, alle Einnahmen und Ausgaben einfach mal aufzulisten, um den Überblick über die eigenen Finanzen zu behalten.“