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Nordkurier Ratgeber - Mein Garten Paradies
Der Charme von Kraut und Rüben

Wo viele verschiedene Pflanzen blühen, finden Insekten Nahrung. Dann summt und brummt es im Garten. Foto: Sulzberger/BLV, © hydebrink – stock.adobe.com
Wo viele verschiedene Pflanzen blühen, finden Insekten Nahrung. Dann summt und brummt es im Garten. Foto: Sulzberger/BLV, © hydebrink – stock.adobe.com

    

Alles aus dem Garten, alles für den Garten: Ein Naturgarten ist ein großer Kreislauf. Die ersten Schritte hin zu mehr Natürlichkeit sind gar nicht aufwendig, wie eine Expertin erklärt. Vonnöten ist vor allem ein wenig Mut zur Unordnung.
    

Schwerin. Wer von Katja Burmeister etwas über das Thema Naturgarten erfahren will, der kommt vorn zur Haustür herein und geht hinten gleich wieder hinaus. Die Hausherrin der Naturschutzstation, die der Naturschutzbund NABU Mecklenburg-Vorpommern am Ufer des Schweriner Sees betreibt, setzt auf die Wirkung des lebenden Objekts. Darum führt sie stante pede in den Garten, der sich auf rund 3000 Quadratmeter hinter dem roten Backsteinhäuschen erstreckt. Beim Blick in die Runde zitiert sie, was wohl die meisten Freunde des Gartenwesens ausrufen würden angesichts der – nun ja – fehlenden Ordnung. „Oh, mein Gott! Das sieht ja aus wie Kraut und Rüben! Hier könnte man mal ein bisschen sauber machen!“
       

Ein Lesesteinhügel ist eine Einladung an Kleingetier.
Ein Lesesteinhügel ist eine Einladung an Kleingetier.
Die verdorrte Königskerze bietet Nahrung und Unterschlupf.
Die verdorrte Königskerze bietet Nahrung und Unterschlupf.

Eine mannshohe verdorrte Königskerze schwankt im böigen Märzwind. Silberdistel und Wegwarte haben ihre besten Tage auch schon lange hinter sich. Natürlich, es ist ja schließlich Winter, wenigstens dem Kalender nach. Die Szenerie wirkt wie ein Staudenfriedhof, dem die zähmende Hand eines Gärtners fehlt.

Winterquartier oder Kinderstube für Insekten


Ganz anders jedoch durch die Brille der Naturgärtnerin: Sie sieht Kraut und Rüben überhaupt nicht als Problem an, sondern vielmehr als Grundlage, dass Leben pulsieren kann. „Der dicke, markhaltige Stengel der Königskerze bietet Insekten ein Winterquartier oder aber Platz für ihre Kinderstuben“, sagt sie. „Und die Samen können im Winter von den Vögeln aufgepickt werden.“ Erst im späten Frühjahr haben die Dörrstauden ihren letzten Dienst erfüllt und werden zurückgeschnitten.

Doch selbst dann fallen sie nicht ohne Sinn: Die abgetrennten Teile, so Katja Burmeister, eignen sich für eine Totholz-, eine Benjeshecke, die wiederum Kleingetier zugute kommt. „Der Naturgarten ist wie ein großer Kreislauf“, sagt sie. „Es geht nichts rein, es geht nichts raus – alles ist für irgendetwas gut zu gebrauchen.“ Wohlgemerkt: Dass nichts rausgeht, gilt natürlich nicht fürs Ernten.

Seit rund vier Jahren gibt der Naturschutzbund NABU gemeinsam mit dem Verein „Natur im Garten“ ökologische Gartenseminare – jeweils vier pro Saison. „Das Interesse wächst stetig“, sagt Katja Burmeister. Neben etwas Theorie steht praktisches Tun auf dem Programm. Da werden Hoch- oder Staudenbeete angelegt, Wildblumenwiesen als Bienenweide bestellt, Komposthaufen aufgeschichtet oder Insektenhotels gebaut.

Regenwasser zum Gießen, Brennnessel als Dünger

Erste Schritte zum Naturgarten sind gar nicht aufwendig, wie die Fachleute erklären, und selbst im Kleingartenverein möglich, wo ja oft strikte Vorgaben herrschen. Ein Komposthaufen gehört dazu, ebenso wie die große Regentonne. Gegossen wird mit Regen- statt mit Leitungswasser. Statt Kunstdünger liefern Pflanzen die notwendigen Nährstoffe: Brennnessel beispielweise sei perfekt zum Mulchen geeignet, oder um den Stickstoff-Hunger von Tomaten zu stillen, so Katja Burmeister. „Die robusteren, alten Tomatensorten gibt es in Gärtnereien oder auf Gartenbörsen.“

Zudem rät die Naturgärtnerin, Insekten, Vögel und anderes Kleingetier in den Garten einzuladen. So seien Marienkäfer ein natürlicher Schutz vor Blattläusen. Um die nützlichen tierischen Helfer anzulocken, reicht es, Steine oder Totholz aufzutürmen, am besten an einem sonnigen Plätzchen. „Auch das Herbstlaub muss nicht bis aufs letzte Blatt beseitigt werden“, sagt sie. „Ein Laubhaufen in einer ruhigen Ecke, am besten mit ein paar Ästen dazwischen, kann einem Igel zum Winterschlaf dienen. Falls der Zaun irgendwo ein Loch zum Durchschlupf lässt.“

Den Vögeln zuliebe sollte der Naturgarten eine Wasserstelle oder Vogeltränke bieten und Sträucher, die im Winter Beeren-Futter liefern. „Wie Schlehe, Weißdorn oder Wildrose“, sagt Katja Burmeister, „am besten mit Dornen, um Katzen fernzuhalten.“

Die Naturpädagoin hat schon oft erlebt, wie sich nach und nach das Empfinden verändert, wenn ein Gärtner sich erst einmal aufgemacht hat in Richtung Naturgarten – „wenn dann plötzlich ein Kleiber auftaucht“ und einfach wieder mehr kreucht und fleucht. „Die meisten Menschen sind über das Erleben besser zu erreichen als über das Wissen.“

Nach einer ersten Absage im März sind 2020 – vorbehaltlich des Corona-Geschehens – noch drei Seminare geplant: Garten für Vögel und Insekten (2. Mai); Sommerkräuter (13. Juni); Brühen, Jauchen, Tees zur Pflanzenpflege (19. September). Von Marlis Tautz

www.mecklenburg-vorpommern.nabu.de

Kontakt zur Autorin
m.tautz@nordkurier.de
        

Katja Burmeister

Foto: Marlis Tautz
Foto: Marlis Tautz

Naturpädagogin beim NABU MV

Seit 2015 leitet die Diplomingenieurin für Landschaftsnutzung und Naturschutz die Naturschutzstation des NABU Mecklenburg-Vorpommern im Schweriner Ortsteil Zippendorf. Sie ist Spezalistin für naturnahes Gärtnern, Heilpflanzen und den Schutz von Honig- und Wildbienen.

Mit dem passenden Saatgut erblüht die Wildblumenwiese

Eine Wildblumenwiese lockt Bienen und andere Insekten an. Je nach Bodenbeschaffenheit kommen verschiedene Samenmischungen in Betracht. Foto: Gregor Fisch
Eine Wildblumenwiese lockt Bienen und andere Insekten an. Je nach Bodenbeschaffenheit kommen verschiedene Samenmischungen in Betracht. Foto: Gregor Fisch

Neubrandenburg. Eine Wildblumenwiese freut Mensch und Tier gleichermaßen: Der eine genießt die zumeist langanhaltende Vielfalt verschiedenfarbiger Blüten, der andere den damit verbundenen gut gefüllen Futternapf. Imker werben immer wieder dafür, ihren Bienen mit Blühstreifen eine Weide zu verschaffen – egal ob an einem Feldrain, im Garten oder aber im Blumenkasten auf dem Balkon.

Zum Glück ist es nach Auskunft von Gartenexperten gar nicht sehr schwierig, eine Wildblumenwiese anzulegen. Die gute Nachricht dabei: Der Boden darf getrost mager, sandig und nährstoffarm sein, er kommt meist ohne Düngepflanzen oder Mutterboden aus. Doch auch für etwas schwerere Böden gibt es eine Alternative.

Der Fachhandel bietet für Wildblumenwiesen Samenmischungen an, die auf unterschiedliche Bodenarten abgestimmt sind. Also genau nachlesen, was auf der Packung steht! Die Faustregel besagt: Dunkle Erde ist nährstoffreicher, helle eher nährstoffarm. Ist der Gärtner unsicher, was die Qualität seiner Scholle angeht, sollte er einen Fachmann konsultieren oder sich nach Möglichkeiten zur Bodenanalyse erkundigen.

Ansonsten reicht es, an einem möglichst sonnigen Platz ein Saatfeld vorzubereiten, wie klein oder groß es sein mag. Auch ein Stück im Rasen ist geeignet, sofern die Grasnarbe abgehoben wird. Dann heißt es: Säen, gießen, abwarten!

Für den Blumenkübel gilt, dass die beliebten Stiefmütterchen und Geranien wenig bienenfreundlich sind. Besser eignen sich Margeriten, Lavendel, Portulakröschen, Männertreu, Vanilleblume oder Katzenminze.


Schutzdecke und Dünger

Stroh ist zum Mulchen perfekt geeignet. Foto: Marion Nickig
Stroh ist zum Mulchen perfekt geeignet. Foto: Marion Nickig

Neubrandenburg. Das Wort Mulchen ist aus dem Englischen in die heimischen Gärten eingewandert. Es bedeutet, den Boden mit verschiedenen Materialien abzudecken. Es gibt Kiesmulch, verbreiteter sind jedoch organische Mulchdecken aus Stroh, Laub, Grasschnitt, Holzschnitzel oder Brennnessel. Sie bremsen die Verdunstung und bewahren den Boden vor Austrocknung, gleichen Temperaturschwankungen aus und fördern Bodenleben wie Humusbildung. Eine Mulchschicht sollte nicht dicker als drei bis fünf Zentimeter sein.


Die Wildbiene liebt ihre Kinderstube dunkel, trocken und warm

Ein Nützlingshotel lockt Wildbienen und Co. in den Garten. Foto: Marlis Tautz
Ein Nützlingshotel lockt Wildbienen und Co. in den Garten. Foto: Marlis Tautz

Neubrandenburg. Anders als Honigbienen leben ihre wilden Verwandten ohne Völker zu bilden. Deshalb werden Wildbienen auch Solitärbienen genannt. In Mitteleuropa sind 700 Arten bekannt, viele davon stehen auf der Roten Liste. Das Hauptproblem: die Nistplätze werden immer knapper. Die Wildbiene braucht enge Niströhren, wie sie beispielsweise in hohlen Pflanzenstängeln, in den Käferfraßgängen alter Bäume, in Lehmwänden oder Rohrdächern zu finden sind. Putzfassaden, Ziegeldächer und aufgeräumte Gärten bieten ihr hingegen keine Möglichkeit, ihre Kinderstube anzulegen. Darum werben Naturschützer für Insekten- oder Nützlingshotels. Diese Ersatzbiotope können selbst gebaut und an Häusern und in Gärten platziert werden.

Wichtig für die Standortwahl: Die Insekten brauchen Wärme und Schutz vor Feuchtigkeit. Damit empfiehlt sich ein Platz an einer sonnigen Süd- oder Südostwand mit mindestens 50 Zentimeter Abstand zum Boden. Für ein freistehendes Modell sind eine feste Rückwand und ein großes Regendach nötig. In einem Holzrahmen, einer leeren Konservenbüchse, einem Stück Rohr oder einem Baumstamm können die Materialien als Nisthilfe befestigt werden. Das können hohle Pflanzenstengel wie von Schilf oder Distel, die gebündelt werden, sein. Kommen Holzscheiben oder Ton, gebrannt oder ungebrannt, zum Einsatz, müssen unterschiedlich große tiefe Löcher hineingebohrt werden. Wichtig: Die Rückwand der Niströhre sollte geschlossen und dunkel sein. Die Wildbiene legt darin ab Ende März ihre Eier ab. Für jedes bildet sie eine Brutzelle mit Blütenstaub. Aus dem Ei schlüpft die Made, die in einem Kokon bis zum nächsten Frühjahr heranwächst.
          

Wer Steht denn Da im Beet? Der NABU hat nachges chaut und sieben Gärtner-Typen angetroffen

Der Naturschutzbund Deutschland NABU hat sich an einer Typologie der Gärtnerschaft versucht. Können Sie entscheiden, zu welchem Lager Sie gehören? Einen Typen allerdings müssen die Umweltfreunde übersehen haben, obwohl der gar nicht so selten ist – den Gevatter Schweinigel. Sein Garten erinnert an ein Sperrmülllager. Zwischen rostigem Metall und Unrat wächst kaum noch etwas. Und muss die Hecke, die das Chaos vor der Welt verbirgt, geschnitten werden, landen die Abfälle zuverlässig auf einer illegalen Deponie im angrenzenden Waldstück.

1.  Die Ästhetin

Nach 28 Büchern zur Geschichte des Gartenbaus sowie drei Seiten über Geometrie kann es losgehen. Nichts wird dem Zufall überlassen, schon gar nicht der optimale Winkel zwischen dem Fliederstrauch und dem Rankgitter für die Stangenbohnen. Die Ästhetin schätzt die klare Formensprache, die den passenden Rahmen für wie absichtslos hingestreute persönliche Akzente bildet: einen kleinen Teich, ein ornamentales Blumenbeet oder einen Feng-Shui-Bereich, in dem die fünf Elemente (Wasser, Feuer, Erde, Holz und Metall) in vollendeter Harmonie walten. Ein Kiesweg führt direkt zum von toskanischen Zypressen gesäumten Teehäuschen.

2. Der Pädagoge

Die meisten Menschen haben keine Ahnung vom Gärtnern, denkt der Pädagoge und lauert stets auf interessierte Blicke aus der Nachbarschaft. Erklärt dann ungefragt und ausdauernd, dass diese herrlich leuchtende Frucht keine Birne, sondern eine Quitte sei, ein ebenso leckeres wie unterschätztes Obst, unter dessen harter Schale sich ein köstliches Inneres verberge. Und die Tomaten seien deshalb so prächtig gediehen, weil der Standort an der südlichen Garagenwand ein Maximum an Wärme garantiere, die selbst gezogene Brennnesseljauche für optimale Nährstoffzufuhr sorge und die Blätter der Pflanze selbstredend sorgfältig vor Nässe geschützt würden. Bei Bedarf sehe er gerne im Garten des Gesprächspartners nach dem Rechten.

3. Die Tierfreundin

Eigennutz ist ihre Sache nicht. Deshalb pflanzt die Tierfreundin den Kirschbaum so, dass die Amseln von ihrem Nest im Holunderstrauch über die Regenrinne der Garage direkt zu den Früchten wandern und sich den anstrengenden Flug sparen können. Platziert Holzstapel und Komposthaufen, damit der Igel im Winter nicht frieren muss. Pflanzt Obst und Gemüse weniger für den eigenen Genuss, sondern um möglichst vielen Tierarten Nahrung und Unterschlupf zu bieten. Teilt sich die Möhren friedlich mit den Raupen des Schwalbenschwanzes und liefert mindestens die Hälfte der Birnenernte als Tribut an das Wespenvolk ab. Selbst die Spanische Wegschnecke, die andere Gärtner zur Verzweiflung treibt, wird als Mitgeschöpf respektiert.

4. Der Ordentliche

Unablässig zieht der Mähroboter seine Kreise. Denn kurz muss er sein, der Rasen, dabei so dicht und makellos, dass sein Anblick den Platzwart von Wimbledon in tiefe Verzweiflungen stürzen könnte. Könnte wohlgemerkt, denn der beeindruckende Anblick des grünen Teppichs bleibt Passanten durch eine Hecke aus Kirschlorbeer verwehrt, deren Lückenlosigkeit nur noch durch ihre vollständige Wertfreiheit für heimische Vögel und Insekten übertroffen wird. Ähnliches gilt für die unvermeidliche Konifere, die angepflanzt wurde, weil sie kein Laub abwirft. Und wehe dem waghalsigen Pflänzchen, das sich auf der Terrasse durch die Fugen der Waschbetonplatten gekämpft hat: Der Dampfdruckreiniger macht kurzen Prozess.

5. Der Stadtgärtner

Der Stadtgärtner, der sich lieber Urban Gardener nennt, verwandelt jeden einzelnen Quadratzentimeter städtischer Freifläche in ein kleines Paradies. Träumt inmitten der Großstadt von der Selbstversorgung mit Gurken und Tomaten, schert sich dabei allerdings weniger um die darin enthaltenen Schwermetalle. Er sieht sein Treiben in einem höheren Sinnzusammenhang, setzt der Herrschaft des Neoliberalismus und der umfassenden Ökonomisierung der Gesellschaft seinen Eigensinn und sein Recht auf Selbstbestimmung entgegen. Bleibt er konsequent auf seinem Weg, wird er irgendwann zum Urban Farmer, zum Stadtbauern.

6. Der Kleinbauer

Im Schuppen des ambitionierten Kleinbauern stapeln sich Dünger und Pestizide, torffreie Gartenerde hält er für eine romantische Spinnerei. Nur Resultate zählen: Am Ende des Gartenjahres sind Kartoffelkiste und Marmeladengläser gefüllt, die Bohnen in der Gefriertruhe warten neben den Kirschen auf ihre winterliche Verwendung in der Küche. Erwachsene Kinder rollen die Augen, wenn ihr Besuch daheim mit einer ausführlichen Exkursion durch den elterlichen Garten beginnt – freuen sich dann aber doch, wenn das Auto auf der Rückfahrt beladen ist mit allerlei Eingemachtem, mit Kisten voller Möhren, Roter Bete und anderen Leckereien.

7. Die Ökologin

Wochenlang Kohl: Kein echter Spaß, aber die Proteste des Nachwuchses werden souverän ignoriert. Auf den Tisch gehört ausschließlich selbst gezogenes, jahreszeitlich passendes Gemüse. Kunstdünger und Fungizide sind Teufelszeug. Die richtige Kombination soll Wunder wirken im Gemüsebeet – Möhren neben Dill oder Schnittlauch, Bohnen neben Kohl oder Roter Bete, Salat neben Radieschen oder Kohlrabi. Soweit die Theorie, doch leider funktioniert es nicht immer so, wie es die Video-Anleitungen aus dem Internet zum eigenen Biogarten versprechen. Deshalb ist in der Kühltruhe der Ökologin immer ein Fach für Tiefkühlpizza reserviert.