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Lokales
Fauler Pfuhl und Ort des Grauens zieht jetzt die Leute magisch an

Weil sich durch die Wiedervernässung das Grundwasserregime ändert, sterben die bäume in der Großen Rosin ab. ©: Hartmut Nieswandt
Weil sich durch die Wiedervernässung das Grundwasserregime ändert, sterben die bäume in der Großen Rosin ab. ©: Hartmut Nieswandt
Müritz Marina GmbH

Niedermoor am Kummerower See lädt Ende Juni ein zur „2. Moorwoche“

Lachmöwen finden hier perfekte Lebensbedingungen.
Lachmöwen finden hier perfekte Lebensbedingungen.
Neue Heimat für Moorfrösche. © (2): Thomas Reich
Neue Heimat für Moorfrösche. © (2): Thomas Reich

Von Verchen aus kann man mit der Fähre „Aalbude“ über die Peene rüber zur Großen Rosin und zur Gaststätte schippern.
Von Verchen aus kann man mit der Fähre „Aalbude“ über die Peene rüber zur Großen Rosin und zur Gaststätte schippern.
Angelika Groh auf dem aussichtsturm an der Großen Rosin. Bei ihr laufen die Fäden für die Moorwoche zusammen.
Angelika Groh auf dem aussichtsturm an der Großen Rosin. Bei ihr laufen die Fäden für die Moorwoche zusammen.

Die Melioration, die Trockenlegung ganzer Landstriche, erreichte im 20. Jahrhundert, auch zu DDR-Zeiten, ihren Höhepunkt. Ging es doch um das Gewinnen neuer landwirtschaftlicher Nutzfläche. Nach der Wende machten sich die Verantwortlichen daran, weite ehemalige Niedermoorgebiete wieder zu vernässen, das heißt, wieder zu fluten. „Absaufende“ Wiesen und sterbende Bäume riefen Widerspruch und Protest hervor – wie bei der Wiedervernässung des Niedermoors „Großer Rosin“ am Nordufer des Kummerower Sees westlich von Verchen.

Heute kann man auf dem Aussichtsturm an der Großen Rosin über die weite Moorlandschaft bis hin zu den Höhen der Mecklenburgischen Schweiz blicken. Über die Wiedervernässung gibt es eine Fotodokumentation, die Menschen, die damit nicht einverstanden waren, während der 1. Moorwoche präsentierten.„Rosin – 2002 so schön und romantisch: Saftige Weiden mit Windschutzstreifen und glücklichen Kühen“ heißt es unter dem ersten Foto. Bis hin zum letzten Bild der Reihe: „Rosin – 2013: die Zerstörung der Kulturlandschaft ist vollbracht, nutzloses Unland anstatt Wertschöpfung“, heißt es. „Das zeigt, dass solche Prozesse natürlich nicht ohne Widersprüche und Auseinandersetzungen ablaufen“, weiß Angelika Groh. Das ist mittlerweile Geschichte.

„Ein Sumpf zieht am Gebirge hin“– in diesem Fall ist es die Große Rosin am Fuße der Mecklenburgischen Schweiz. © (3): Hartmut Nieswandt
„Ein Sumpf zieht am Gebirge hin“– in diesem Fall ist es die Große Rosin am Fuße der Mecklenburgischen Schweiz. © (3): Hartmut Nieswandt

Was empfiehlt Angelika Groh heute, im Juni 2019, während der 2. Moorwoche den Besuchern besonders? Als erstes hebt sie die Eröffnung in Sommerstorf am 22. Juni, um 14 Uhr, hervor. Dann heißt es um 15 Uhr „Vorhang auf!“ für das Moortheater. Dahinter steht ein Verein, der sich während des gesamten Jahres mit dem Thema „Was ist unsere Heimat?“ beschäftigt. Es gibt viele Exkursionen ins Moor, die Moorfreunde halten ihre Eindrücke fest, es entstehen Fotos und Texte und schließlich das Theaterstück, auf das man am 22. Juni gespannt sein darf, freut sich Angelika Groh.

Ein zweiter Höhepunkt ist der Fotowettbewerb (www.moorfotos.de). Der Wettbewerb im vorigen Jahr hatte ein überwältigendes Ergebnis, viele wunderbare Bilder kamen zusammen, schwärmt Angelika Groh. Darum gibt es 2019 eine zweite Auflage. Die Sieger werden am 27. Juni, um 17 Uhr, im Schloss Kummerow ausgezeichnet. Schließlich weist Angelika Groh noch auf den „Trittelwitzer Moorabend“ am 29. Juni, um 19 Uhr, in Trittelwitz hin. Musik, Feuer, Gespräche, Essen. Trinken, gemeinsames Singen sollen einen schönen Schlusspunkt setzen.

Und was wird mit der Moorwoche, wenn bei der unglaublichen Trockenheit, die seit gut einem Jahr herrscht, die Reste eines der größten Niedermoorgebiete Europas bis Ende Juni austrocknen? So schnell geht das nicht, Veränderungen im Moor vollziehen sich immer sehr allmählich, wiederholt Angelika Groh ihre herzliche Einladung zur „2. Moorwoche“. Hartmut Nieswandt