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Beruf & Karriere
Hier sind Seebären gefragt

Jürgen Kubatz zeigt in dem kleinen Buddelschiff-Museum in Boltenhagen seine Werke. Foto: Jens Büttner
Jürgen Kubatz zeigt in dem kleinen Buddelschiff-Museum in Boltenhagen seine Werke. Foto: Jens Büttner
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An der Küste MecklenburgVorpommerns zwischen Boltenhagen und GraalMüritz gibt es jede Menge Traditionshandwerker. Davon haben auch Urlauber etwas. Verena Wolff stellt einige Berufe vor.

Segeln: Jonas Renken ist einer, der einem alten Handwerk wieder neues Leben eingehaucht hat. Er ist Segelmacher, mit einer Werkstatt am Hafen von Warnemünde. Und einem Notfall-Boot, mit dem er auf der Ostsee schippert und Seglern Hilfe leisten kann. „Wenn das Segel beschädigt ist, dann kommt der Törn meist schnell zu einem Ende“, sagt Renken. Also flickt er direkt vor Ort, hat neues Material dabei. „So können die Urlauber ihre Ferien schnell fortsetzen und müssen nicht lange auf eine Reparatur warten.“

Auf dem Fußboden der Halle, die Geschäft und Büro ist, liegen ausgerollte Stoffbahnen – weiße, blaue, bunte. Der Mittdreißiger mit dem dichten Bart repariert kaputte Segel und fertigt neue. Zu dem Beruf gekommen ist er durch einen Zufall. Der Bremer ist eigentlich kein Segler, sondern Windsurfer. „Als mein Segel kaputt ging, habe ich es zur Reparatur gebracht, es folgte ein Praktikum und der Entschluss, das alte Handwerk zu erlernen und später einen Meister zu machen.“

Boote: Wo Boote gebraucht werden, baut man sie auch. Bei Ralf Asmus zum Beispiel, der in Kirchdorf auf der Insel Poel eine Werkstatt hat. „Viel haben wir mit der Reparatur von Booten zu tun, aber wir bauen auch ganz neue“, sagt der Meister, mit dem vier Gesellen und ein Lehrling an vielen Aufträgen arbeiten: Restaurierung, Innenausbau, Reparatur – aber auch der Entwurf und der Bau hölzerner Takelage.

„Das Unternehmen gibt es hier in Poel schon seit 1949, seit 1991 arbeiten wir als GmbH“, sagt Asmus. Kaum ein Boot gibt es, das die Experten nicht wieder aufpeppen können. Einige der Exemplare, die im Wasser vor der zugigen Werkshalle vor Anker liegen, sind der beste Beweis dafür. Die Urlauber danken es den Profis. Auf Poel, in Boltenhagen und in Kühlungsborn sieht man, dass die Begeisterung für das Bootfahren groß ist: Alle Häfen sind im Sommer rappelvoll.

Bootsbauer Ralf Asmus repariert neben Sport- und Freizeitbooten auch traditionelle Fischkutter in Holzbauweise. Foto: Verena Wolff
Bootsbauer Ralf Asmus repariert neben Sport- und Freizeitbooten auch traditionelle Fischkutter in Holzbauweise. Foto: Verena Wolff

Strandkörbe: Christian Witt sorgt dafür, dass die Besucher von Graal-Müritz ihren Tag am Strand so richtig genießen können. Ohne Sand zwischen den Hautfalten, wenn der Wind mal wieder heftig weht. Schon in siebter Generation baut Witt Strandkörbe, wie man sie überall entlang der Ostsee sieht. Erfunden allerdings hat den Korb, der gegen Wind und Sonne schützt, ein gewisser Wilhelm Bartelmann, ein Korbmacher aus Warnemünde. „Der Legende nach hat sich eine Frau um die Jahrhundertwende an ihn gewandt, weil sie geschützt am Strand sitzen wollte“, erzählt der Handwerker. Seine Körbe entstehen in Serie und Handarbeit. „Pro Stück braucht man etwa drei Tage.“ Jedes Jahr baut Witt rund 100 Körbe, überwiegend für die eigene Vermietung am Strand, die je nach Wetter von April bis Oktober geöffnet hat. Kiefer oder Fichte nimmt Witt für das Gestell, bewährte Materialien. Der geflochtene Teil des Korbes wird geliefert. Dann wird der Ostsee-Strandkorb zusammengebaut.

mecklenbook

Buddelschiffbau: Wenn das Wetter mal nicht zum Sonnenbaden, Schwimmen oder Bootfahren taugt, ist ein Ausflug zu Jürgen Kubatz in Boltenhagen eine gute Alternative. Der Buddelschiffbauer zeigt in seinem Haus viele Hundert Schiffe in Flaschen, die er in kleinteiliger Arbeit gebaut hat. Seine Werkstatt ist voller Spezialwerkzeuge, denn der Bau eines Buddelschiffs ist eine filigrane Angelegenheit. „Da braucht man schon Geduld“, sagt der gelernte Maler. Die kleinen und größeren Modelle werden zuerst gebaut und dann mit Fäden versehen, mit denen sie schließlich in der Flasche wieder richtig aufgezogen werden. Viele Flaschen verziert zudem eine aufwendig gestaltete Landschaft. Und die muss zuerst durch den engen Flaschenhals.

Vielleicht geht die Zahl der Schiffe, die Kubatz schon gebaut hat, sogar in die Tausende. „Gezählt habe ich sie nicht“, sagt er. Wichtig ist ihm, dass die Fummelarbeit nicht ausstirbt. Darum veranstaltet er regelmäßig Kurse während der Ferien – dann können sich Kinder als Buddelschiffbauer ausprobieren.