Anzeige

Beruf & Karriere
Job auf der Müllhalde - das stinkt doch, oder?

Rene Muchow, Betriebsleiter ABG, (rechts) und Stefan Sulimma, Deponiemeister bei der OVVD, die die Mülldeponie bei Rosenow betreibt, stellen auf Ausbildungsmessen, wie hier die „parentum“ 2018, die Ausbildungsangebote des Unternehmens vor. Foto : Johanna Horak
Rene Muchow, Betriebsleiter ABG, (rechts) und Stefan Sulimma, Deponiemeister bei der OVVD, die die Mülldeponie bei Rosenow betreibt, stellen auf Ausbildungsmessen, wie hier die „parentum“ 2018, die Ausbildungsangebote des Unternehmens vor. Foto : Johanna Horak
SEB Steuerberatungsgesellschaft mbH

Den Abschluss in der Tasche und dann auf einer Deponie arbeiten? Auf den ersten Blick nicht gerade ein Traumberuf, aber warum eigentlich nicht? Die Mülldeponie der OVVD bei Rosenow bietet drei unterschiedliche Ausbildungen an. Ein Grund, mal genauer hinzuschauen.

Von Johanna Horak

Rosenow. Vor den Toren des beschaulichen 900-Seelen-Ortes Rosenow steht ein wahrer Gigant: die Ostmecklenburgisch-Vorpommersche Verwertungsgesellschaft, kurz OVVD. Lang gestreckte, gelbe Hallen ziehen sich über das 244 Hektar große Gelände. 244 Hektar – das sind circa 175 Fußballfelder aneinandergereiht. Die Deponie verwertet den Abfall von etwa 750000 Menschen aus der Region.

Momentan beschäftigt das Unternehmen 65 Angestellte. Bei der Tochtergesellschaft ABG sind es 41. Beide Betriebe haben derzeit sieben Auszubildende. Das Unternehmen bietet drei verschiedene Ausbildungsberufe an: Mechatroniker, Berufskraftfahrer und Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Pro Jahr stellt die OVVD jeweils ein bis zwei neue Auszubildende pro Beruf ein.

Ein Job bei einer Mülldeponie? Das stinkt doch, denkt jetzt vielleicht der eine oder andere. Zugegebenermaßen, es gibt sicherlich Ausbildungs- und Arbeitsplätze, an denen es besser riecht. Doch Stefan Sulimma weiß: „Mit der Zeit gewöhnt man sich an den Geruch.“ Er arbeitet als Deponiemeister bei der OVVD und sagt, er habe fast alle Bereiche durchlaufen.

Begonnen hat sein beruflicher Werdegang mit einer Ausbildung zum Mechatroniker bei der Tochtergesellschaft ABG. Während der Ausbildung wechselte er zur OVVD, beendete die Ausbildung und wurde übernommen. Nach seiner Ausbildung wollte sich Stefan Sulimma noch weiterbilden und setzte den Meister obendrauf. Das war ihm wichtig, weil er gern selbst als Ausbilder arbeiten wollte und das nur als Meister möglich ist. Die Begeisterung für seinen Job hat er sich bewahrt, wie am ersten Tag: „Dreckiges Deponiewasser in sauberes verwandeln: Das ist Wahnsinn“, findet er. Einen Ausbilder zu haben, der für den Beruf brennt, den er jungen Menschen lehrt, das ist wichtig. In der Realität ist das wohl nicht überall der Fall. Bei der OVVD, dank Stefan Sulimma, aber schon.

Die von der OVVD angebotene Ausbildung zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft dauert drei Jahre. Um einen Ausbildungsplatz zu bekommen, brauchen Bewerber die Mittlere Reife und gute schulische Leistungen. Technischer Sachverstand und Flexibilität sind von Vorteil.

Fast alles dreht sich um die Müll-Entsorgung

Während der drei Jahre lernen die Auszubildenden zum Beispiel verschiedene Entsorgungsverfahren und betriebswirtschaftliche Prozesse kennen, außerdem lernen sie Grundlagen der Maschinen- und Verfahrenstechnik. In den drei Ausbildungsjahren wechseln sich die Arbeit im Betrieb und Unterricht in der Berufsschule ab.

Wer eher einen Hang zu großen Fahrzeugen hat und diese auch gern bedienen möchte, für den ist vielleicht die Ausbildung als Berufskraftfahrer die richtige. Sie dauert, wie die meisten Ausbildungen, drei Jahre. Die schulischen Anforderungen liegen bei einer mittleren Reife sowie guten schulischen Leistungen. Technischer Sachverstand und Flexibilität sind auch hier von Vorteil.

In den drei Jahren der Ausbildung lernen die Azubis unter anderem, wie sie die Fahrzeuge warten und pflegen, wie eine Beförderung vorbereitet und durchgeführt wird oder was es bei der betrieblichen Planung und Logistik zu beachten gibt. Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer findet im dualen System statt. Das heißt, dass sich Berufsschule und berufspraktische Ausbildung abwechseln.

Mit dreieinhalb Jahren dauert die Ausbildung zum Mechatroniker am längsten. Die Anforderungen an die künftigen Auszubildenden sind die mittlere Reife und gute schulische Leistungen, besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern wie Mathe und Physik. Ebenfalls von Vorteil sei technische Affinität, oder – wie es im Jargon gern heißt – „die Liebe zum Schrauben.“ Während der Ausbildung wechseln sich Unterricht in der Berufsschule und Praxis im Betrieb ab.

Im Laufe der Ausbildung lernen die angehenden Mechatroniker unter anderem die Grundlagen der Metallverarbeitung und Elektrotechnik, den Zusammenbau von Baugruppen und Komponenten zu Maschinen und Systemen sowie die Programmierung, Inbetriebnahme und Bedienung mechatronischer Systeme.

Kontakt zur Autorin
j.horak@nordkurier.de


Mehr Ausbildungsplätze gegen den Lokführermangel

Der Auszubildende Hannes Guhl trainiert an einem Fahrsimulator. Foto: C. Rehder
Der Auszubildende Hannes Guhl trainiert an einem Fahrsimulator. Foto: C. Rehder

Der Bahn fehlen im Norden Lokführer. Interessenten können sich ihren Kindheitstraum erfüllen.

Von André Klohn

Kiel. Den Hebel kurz nach vorne gedrückt. Schon nimmt der Triebwagen Fahrt auf und rattert mit Tempo 50 los. Hannes Guhl sitzt aber nicht im Führerhaus eines Triebwagens, sondern auf einem Stuhl vor einem Simulator der Deutschen Bahn in Kiel. „Es ist fast wie in echt“, sagt der 19-Jährige. Er macht bei der DB Regio eine Ausbildung zum Lokführer. „Das ist mein Kindheitstraum, den ich dadurch verwirklicht habe.“

Mangel an Lokführern hat der Bahn in der Vergangenheit im Norden immer wieder Probleme bereitet und zu Ärger bei Pendlern geführt. „Wir haben gerade in der gesamten Branche einen Fachkräftemangel bei den Lokführern, das ist nicht nur bahnspezifisch“, sagt Unternehmenssprecher Egbert Meyer-Lovis. Deshalb setze die DB Regio stark auf die Ausbildung in zwei Schienen: einer klassischen Ausbildung über drei Jahre und einer elfmonatigen Ausbildung für Quereinsteiger, die bereits einen anderen Beruf erlernt haben. Alle zwei Monate begännen derzeit zehn neue Quereinsteiger, hinzu kämen 28 klassische Azubis.

Für viele Bewerber sei es „immer noch ein Kindertraum, eine Ausbildung zum Lokführer zu machen“, sagt Meyer-Lovis. Trotzdem sei die Situation auf dem Markt schwierig.

Für die kommenden Jahre stocke das Unternehmen die Zahl der regulären Ausbildungsplätze zudem auf zwölf pro Lehrjahr auf. „Alle, die ihre Ausbildung erfolgreich abschließen, werden übernommen.“

Als die Azubis aus dem ersten Lehrjahr vor Kurzem das erste Mal auf der Lokomotive waren, habe sie bei den Jungs „strahlende Kinderaugen“ gesehen, sagt Trainerin Katja Doose. Als gelernte Lokführerin gehört sie zur weiblichen Minderheit unter den Lokführern. Doose hat den Beruf von der Pike auf gelernt. Um ihren Führerschein zu behalten, muss sie als Trainerin 100 Stunden pro Jahr als Lokführerin im Einsatz sein. „Man muss für diesen Beruf leben“, sagt sie. Wer den Beruf ausüben wolle, der müsse auch voll dahinter stehen. Denn negative Kommentare zu Bahnproblemen hört die 29-Jährige oft. „Aber in jedem Unternehmen läuft es doch mal nicht.“

Vorfreude auf die ersten Fahrten allein

Azubi Guhl hat mit seinem Triebwagen derweil ohne Verspätung den Zielbahnhof erreicht. Sein Ausbilder Olaf Klodt hat ihm auf den Gleisen stehende Schafherden oder dichten Nebel erspart. Für beides könnte die Simulations-Software auf Knopfdruck sorgen. „Wir haben die Möglichkeit, Stress zu erzeugen“, sagt er.

„Am Wichtigsten ist es, keine Routine in den Beruf hineinkommen zu lassen“, sagt Anwärter Guhl. Lokführer müssten stets wachsam sein. Er freut sich bereits darauf, nach Abschluss der Ausbildung alleine fahren zu dürfen. Sein Berufswunsch werde bisweilen belächelt, sagt Guhl. „Denn viele unterschätzen den Beruf. Züge fahren ist aber nur ein Bruchteil der Arbeit.“ Es gehöre viel mehr zu. Während andere Menschen schlafen, bereiteten seine künftigen Kollegen nachts die Züge des nächsten Tages vor. Voraussichtlich bald auch für ihn.