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Nordkurier Ratgeber - Gesunde Ernährung
Studie: Lehrer und Erzieher wissen zu wenig über gesunde Ernährung

Obst und Gemüse gehören zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung dazu. Das weiß auch der neunjährige Leven. Foto: Benedikt Dittrich
Obst und Gemüse gehören zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung dazu. Das weiß auch der neunjährige Leven. Foto: Benedikt Dittrich

Früh übt sich: Damit Deutschland gesünder lebt, sollen schon Kinder über die richtige Ernährung gut Bescheid wissen. Doch Schulen und Kitas tun sich schwer mit dieser Aufgabe.

Von Axel Hofmann

Berlin.  Viele Lehrer und Erzieher wissen nicht genug über gesunde Ernährung, um Kinder auf diesem Gebiet fit zu machen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur „ernährungsbezogenen Bildungsarbeit“. Die Forscher der Universität Paderborn stellen darin fest, dass ernährungswissenschaftliche Kompetenzen in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte „nur unzureichend verankert“ seien.

Klöckner kündigte deshalb ein Konzept an, um das Thema Ernährung stärker als bisher in Ausbildung, Studium und Fortbildung unterzubringen. „Der Grundstein für eine gesunde und ausgewogene Ernährung wird im Kindesalter gelegt“, erklärte die Ministerin. Nach Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts haben in Deutschland 26 Prozent der Fünf- bis Siebzehnjährigen Übergewicht, fast 10 Prozent sind sogar fettleibig. Ärztepräsident Klaus Reinhardt hatte deshalb kürzlich ein Schulfach „Gesundheitsförderung“ angemahnt.
     

Foto: © Kalim – st ock.adobe.com
Foto: © Kalim – st ock.adobe.com

Der neuen Studie zufolge sind Ernährungsfragen in den entsprechenden Lehramtsstudiengängen häufig eher ein Randthema. Zudem zeigten die Lehrer wenig Interesse an ernährungsbezogenen Fortbildungen, und in den Schulbüchern gebe es bei diesen Themen häufig fachliche Mängel.

Angehende Erzieher lernen mit veralteter Fachliteratur

Schon in den Fachbüchern zur Ausbildung von Erziehern finden sich nach Darstellung der Forscher inhaltliche Fehler. So werde etwa behauptet, es sei ein Irrglaube, dass Kalzium aus der Milch dem Körper beziehungsweise den Knochen guttue. Mängel werden auch in jedem vierten Schulbuch festgestellt. So seien die Ernährungsempfehlungen oft nicht auf dem aktuellen Stand. In einem Fall werde etwa Milch sehr negativ dargestellt. „Diese Darstellung entspricht bei Weitem nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft.“

Gleichzeitig ergab eine Befragung unter Hunderten Kitaleitern, dass das Interesse der Mitarbeiter an ernährungsbezogenen Fortbildungen überschaubar sei. Als hemmende Faktoren werden Zeitmangel, Personalmangel und andere Prioritäten genannt. Außerdem haben Mitarbeiter in Kitas demnach wenig Interesse am Thema Essen und Ernährung beziehungsweise fänden es unwichtig für ihre Arbeit.

Der Ski-Star Felix Neureuther zum Beispiel weiß seit Kindertagen, wie wichtig allein das gehaltvolle Frühstück ist „Meine Mama und Papa haben uns immer Müsli in der Früh gemacht“, erzählt er. „Ich kann mich erinnern, dass ich in der Schule dann gar nichts mehr essen musste bis am Mittag, weil das so nahrhaft war. Weil ich keinen Hunger hatte.“ Auch als Erwachsener isst er noch Müsli.
       

Immer mehr Kinder sind ernährungsbedingt krank. Experten meinen, dass die Schule dazu beitragen könnte, diesen Trend aufzuhalten. Foto: Ralf Hirschberger
Immer mehr Kinder sind ernährungsbedingt krank. Experten meinen, dass die Schule dazu beitragen könnte, diesen Trend aufzuhalten. Foto: Ralf Hirschberger

Ski-Star schrieb Kinderbuch über gesunde Ernährung
                 

Gerade hat er zusammen mit seiner Frau Miriam Neureuther ein Kinderbuch geschrieben. Darin geht es um gesundes Essen. Es heißt: „Ixi, Mimi und das Zaubermüsli“. Der 35-jährige Neureuther fordert Eltern auf, auf eine gute Ernährung ihrer Kinder zu achten. „Wenn Eltern den Kindern schon Cola und Fanta oder andere Getränke mit viel Zucker geben, dann wird es schwierig“, sagte er.

Im Sommer machte die deutsche Regierung eine große Befragung dazu, wie „Dickmacher“ im Supermarkt leichter zu erkennen sind. Doch Gegner und Befürworter verschiedener Modelle preschten mit eigenen Studien vor. Im Streit um eine klarere Kennzeichnung von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln machen nun auch Kritiker des farbigen Logos „Nutri-Score“ mobil. Der Lebensmittelverband Deutschland legte eine Umfrage vor, die schwache Zustimmungswerte für das System ergab, das Verbraucherschützer favorisieren.

Das aus Frankreich stammende System bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe in eine Bewertung ein und gibt einen einzigen Wert an, in einer Skala von „A“ auf einem dunkelgrünen Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes „C“ bis zu einem roten „E“ für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben.
            


Gesundheit und Gewissen verkaufen sich beim Essen bestens

Beim Essen geht es längst nicht mehr nur darum, dass es schmeckt. Für immer mehr Verbraucher müssen die Nahrungsmittel gesund und nachhaltig hergestellt sein. So viel Moral lässt selbst Konzerne nicht kalt.
      

Gesunde Ernährung beginnt für die Verbraucher beim Einkauf. Immer mehr legen Wert auf Nachhaltigkeit. Foto: Fabian Sommer
Gesunde Ernährung beginnt für die Verbraucher beim Einkauf. Immer mehr legen Wert auf Nachhaltigkeit. Foto: Fabian Sommer

Von Erich Reimann

Düsseldorf.  Egal ob fleischlose Burger, alkoholfreies Bier oder zuckerfreie Snacks: Was Gesundheit und ein gutes Gewissen verspricht, verkauft sich derzeit gut im Lebensmittelhandel. Den Ernährungspsychologen Christoph Klotter von der Hochschule Fulda überrascht das nicht, denn für ihn steht fest: „Beim Thema Essen wird heute mehr moralisiert als bei der Sexualität. Beim Sex ist mittlerweile fast alles zulässig, was einvernehmlich geschieht. Beim Essen ist dagegen immer weniger erlaubt.“

Tatsächlich hat sich nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) der Anteil der Verbraucher, die Wert auf einen gesundheitsorientierten und nachhaltigen Lebensstil legen, in den vergangenen fünf Jahren von 18 auf mehr als 31 Prozent erhöht. Gesundheit und soziale Verantwortung würden deshalb für den Einzelhandel immer mehr zu „Pflichtthemen“, um vor allem für Verbraucher aus der Mittel- und Oberschicht attraktiv zu bleiben, heißt es in einer aktuellen Studie der Marktforscher.

Tatsächlich steigt die Nachfrage nach Produkten, die Gesundheit und Nachhaltigkeit signalisieren, kontinuierlich. Beispiel Bio: Im vergangenen Jahr gaben die Bundesbürger nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft fast 11 Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel aus – 5,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Längst haben auch Aldi, Lidl, Edeka und Rewe den Markt für sich entdeckt und kämpfen erbittert um Marktanteile.

Auch vegetarische Alternativen zu Fleisch sind groß im Kommen. Der Fleischhersteller Rügenwalder brachte 2014 seine ersten fleischlosen Produkte heraus. Heute macht das Familienunternehmen bereits über 30 Prozent seiner Umsätze damit. Im kommenden Jahr sollen es sogar 40 Prozent sein. Als der Discounter Lidl im Mai erstmals den fleischlosen Beyond-Meat-Burger aus Erbsenprotein und Rote Beete anbot, waren die Regale im Nu leer gefegt, sodass der Billiganbieter bereits zwei Wochen später die nächste Ladung Veggie-Burger in die Läden brachte.

Beim Trinken spielt das Thema Gesundheit ebenfalls eine immer größere Rolle. Während der Absatz klassischer Biere seit Jahren kontinuierlich sinkt, boomt das Geschäft mit alkoholfreiem Gerstensaft. Mittlerweile gibt es nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes in der Bundesrepublik rund 500 verschiedene alkoholfreie Marken. Der Marktanteil der alkoholfreien Biere liegt mittlerweile schon bei 7 Prozent, und nach Einschätzung des Hauptgeschäftsführers des Brauer-Bundes, Holger Eichele, dürfte er schon bald 10 Prozent erreichen. Hilfreich seien dabei der im Vergleich zum herkömmlichen Bier nur rund halb so hohe Kaloriengehalt und das sportlich-gesunde Image.

Einer der wichtigsten aktuellen Trends ist nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung aber „Frei von Zucker“. Im Bereich Gesundheit sei Zucker für die Konsumenten zurzeit das Thema mit der höchsten Relevanz, beobachten die Marktforscher. Das hat Konsequenzen. Die großen Handelsketten von Aldi bis Rewe sind längst dabei, den Zucker- und Salzgehalt in ihren Eigenmarken zu reduzieren.