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Lokales
Von der Dorfstraße in die Bundesliga

Christoph Heese mit einem Trikot seines Heimatvereins PSV 90 Neubrandenburg. © Peter Krüger
Christoph Heese mit einem Trikot seines Heimatvereins PSV 90 Neubrandenburg. © Peter Krüger

Das Ziel ist klar: Irgendwann selbst mal ein Trikot gewinnen.

Am Horizont ein gelber Punkt, der unaufhörlich dichter kommt. Urplötzlich, mittlerweile dicht genug, wird aus dem gelben Punkt ein Radsportler. Sein Name ist Christoph Heese – seit einigen Tagen immerhin ein Bundesligist. Heese ist nämlich Mitglied im Rostocker Bike-Market-Team, das seit dieser Saison in der 1. Rad-Bundesliga an die Startlinie rollt. 

Und der gebürtige Warener ist stolz wie Bolle. „Es ist eine große Ehre für mich, dabei sein zu dürfen“, so der 19-Jährige. Doch wie kam es eigentlich dazu? Beziehungsweise Heese überhaupt zum Radsport? Seine sportliche Laufbahn begann der 1,87 Meter große Schlacks zumindest nicht auf dem Fahrrad, sondern vielmehr auf dem Wasser. Und zwar in einem Kanu. Ab der dritten bis zur sechsten Schulklasse paddelte Heese erst in Waren, später dann in Neubrandenburg über die hiesigen Gewässer, ehe schulische Gründe für den Ausstieg aus dem Kanusport sorgten. Ein Jahr zog dann ins Land, bevor der nunmehr Zwölfjährige den Radsport als große Leidenschaft für sich entdeckte. „Spaß hatte ich am Radfahren schon als kleiner Bube, als ich noch mit einem roten Flitzer über die noch nicht geteerte Dorfstraße gefahren bin“, erinnerte sich Heese aber auch noch daran, wie er einst an einem Freitagnachmittag ein Probetraining beim PSV Neubrandenburg absolvierte. Unter der Leitung seines damaligen Trainers Thomas Zabel war ziemlich schnell klar, „dass ich den richtigen Sport für mich gefunden hatte“. Das machten dann auch schnell die ersten Erfolge deutlich.

Ein paar Landesmeistertitel sammelte Heese als Junior ein, auf der Bahn wie auch auf der Straße. Hinzu kam ein zweiter Platz bei der Norddeutschen Meisterschaft 2018 in Rieps bei Lübeck. Zwischendurch wagte Heese aber auch schon den ersten Ausflug in die Bundesliga – in die Junioren-Bundesliga bei der RG Hamburg. „Dort haben wir aber mehr Erfahrungen als Siege eingesammelt“, verdeutlicht Heese den eher überschaubaren Erfolg. Doch der angehende Abiturient ließ sich nicht entmutigen und arbeitete weiter an seiner Laufbahn. Mit Erfolg. Im vergangenen Winter erhielt er dann die Zusage vom Rostocker Bike-Market-Team, das zu diesem Zeitpunkt dabei war, ein Team zusammenzustellen, um sich den Traum von der Rad-Bundesliga zu erfüllen. Und Christoph Heese ist mit dabei.

„Jedes Bundesliga-Team braucht drei Fahrer im Kader, die jünger als 23 Jahre sind.“ Einen Platz davon hat Heese inne. Seine Aufgaben im Team: „Im ersten Drittel des Rennens dem Team helfen – Attacken fahren, Tempo machen und Flaschen reichen“. Mit Erfolg, wie das erste Bundesligarennen in Düren zeigte. „Unser Fahrer Adrian Rips wurde bester Amateurfahrer, das ist auch unser Erfolg“, weiß Heese, der von seinem Debüt im Männerbereich schwärmte. „Das war schon ganz nah am Profirennen, mit dem ganzen Drumherum und so.“ Davon möchte Heese, der aber trotzdem noch für seinen Heimatverein PSV Neubrandenburg Rennen bestreitet, noch so einige erleben. „Und irgendwann“, so der Radsportfreak, der Andre Greipel als sein Vorbild benennt, „will ich natürlich selbst mal ein Trikot gewinnen“.

In den kommenden Wochen stehen dann die letzten Abi-Prüfungen an, ehe eine Ausbildung bei der Bundespolizei in Neustrelitz wartet. Und nebenbei startet Heese, der mittlerweile in Penzlin lebt, eben auch weiterhin in der Rad-Bundesliga.